Die römisch-katholische Kirche in Kroatien und in der Schweiz

Sexualitat

Im Marz 1994 verklagt A.A.Makaja die romisch-katholische Kirche Kroatiens [1] wegen Verleumdung und Personenschutzverletzung auf 50'000 Euro Schadenersatz. Erst acht Jahre spater wird die Hauptverhandlung einberufen: dies fur einen Gegenstand, der in der Rechtssprechung zu den "dringendst zu behandelnden Fallen" zahlt - ein nicht gerade ruhmliches Beispiel fur den kroatischen Rechtsstaat.

Die wichtigste katholische Wochenzeitung Glas koncila (Stimme des Konzils) hatte im Oktober 1993 in einen Artikel mit dem Titel "Wie lange noch Reklame für satanistische Gruppen in Zagreb" zahlreiche Verleumdungen und Unwahrheiten über Komaja und Makaja veröffentlicht. Zu der schwerwiegendsten Verleumdung "Satanismus" lies sich der Journalist durch eine auf dem Komaja-Festival 1993 gezeigten Tanz-Theater-Vorstellung bzw. durch das dazu vorgelesene Gedicht zum sexuellen Energiezentrum hinreissen: der Autor des Artikels gab jedoch Worte und Inhalte wieder, die er frei dazugedichtet hatte! Dennoch: eine Gegendar­stellung wollte die Redaktion des einflussreichen Kirchenblattes nicht akzep­tieren und so entschloss sich Makaja zu gerichtlichem Vorgehen. Vor Makajas Anklage gab es in den letzten ca. 40 Jahren, laut nicht amtlichen Angaben, nur zwei Klagen bei Gericht gegen die katholische Kirche Kroatiens. Beide Prozesse blieben unbeendet.

Es hat sich in den Gesprachen mit Wurdentragern der katholischen Kirche sowie durch verschiedene unruhmliche Verhaltensweisen von Vertretern derselben Institution im letzten Jahrzehnt herauskristallisiert, dass der eigentliche "Stein des Anstosses" nicht in religios-philosophischen Fragen begrundet liegt, auch nicht in Makajas Verneinung des Absolutheitsanspruches der romisch-katholischen Kirche, sondern in einem, auf den ersten Blick, "profanen" Bereich: in Komajas Lehre uber die Sexualitat des Menschen.

Dies ist um so erstaunlicher, als die katholische Kirche keine Lehre im engeren Sinne über die Sexualität hat, keine Theologie der Sexualität. Dies bedauert, so Richard Sipe, der (als ehemaliger Priester) mehr als 25 Jahren als Psychotherapeut mit Priestern arbeitete und einige bedeutende Bücher zu diesem Thema veröffentlicht hat, vor allem die Priesterschaft selbst: "Die Mehrheit der für meine Studie befragten Priester fand ihre Unterweisung für den Zölibat und über die Sexualität unzulänglich. Auf die Frage hin, wie ihre sexuellen Bedenken am Seminar behandelt worden seien, sagten sie, die häufigsten Antworten seien folgende gewesen: ,Beten Sie deswegen.' ,Denken Sie nicht daran.' ,Treiben Sie Sport.' ,Das müssen Sie einfach hinnehmen, das ist die menschliche Natur.'" [2]

Auch im "Dekret uber die Ausbildung der Priester" (Optatam Totibus), promulgiert am 28.11.1965, finden sich nur allgemeine Forderungen zum Zolibat und zur "Herrschaft uber Leib und Seele" [3] , jedoch keine konkreten Hilfestellungen zur Beherrschung dieses so machtigen und unberechenbaren Triebes des Menschen, im Gegensatz z.B. zum traditionellen Yoga und zu Komaja, die ganze Systeme von Ubungen zur Bewusstmachung, Beherrschung und Transformation der sexuellen Energie anbieten.

Zahlreiche Studien, Statistiken und Bücher (siehe eine Auswahl unter Literatur) aber ganz vehement gerade auch die Enthüllungen der letzten Jahre zeigen die Gefahren, die in der Tabuisierung sowie oberflächlichen und unwissen­schaftlichen Behandlung der Sexualität, ja, wie einige Soziologen und Kirchen­kritiker es formulieren, in der "repressiven Sexualmoral" der katholischen Kirche liegen: Allein seit Januar 2002 mussten mindestens 58 Geistliche aus 17 Diözesen, darunter auch ein Bischof aus Florida, ihren Dienst verlassen, weil sie des sexuellen Kindermissbrauchs überführt wurden. Gegen 2000 Priester ermitteln die Polizei und Anwälte. [5] Auf etwa 2 bis 4 % schätzt der Psychologe W. Müller (Leiter des Recollectio-Hauses Münster­schwarzach [6] und seit Jahren mit dem Thema befasst) die Zahl der Priester, die Kinder oder Jugendliche sexuell missbrauchen. [7] Auch einige Mitglieder der Komaja-Gemeinschaft aus Kroatien wurden als Puber­tierende von katholischen Priestern missbraucht - ein Umstand, der wesentlich dazu beitrug, dass sie sich von der katholischen Kirche distanzierten und auf ihrer geistigen Suche Komaja anschlossen.

Eine Kritik an Komajas Sexualmoral, -ethik und -lehre aus diesen Reihen ist somit, milde ausgedruckt, eine Anmassung - vor allem, wenn sich solch eine Kritik in der mittelalterlichen, inquisitorischen Gleichsetzung des Sexuellen mit dem "Teufel" erschopft. Eine Institution,

- in der sexueller Kindesmissbrauch in solch erschreckend hohem Masse zu verzeichnen ist und von den hohen Würdenträgern bis unlängst bewusst verheimlicht wurde,

- Nonnen zu Sex mit Priestern und anschliessender Abtreibung gezwungen werden, [8]

- Priester ihre geheimen Liebhaberinnen und Frauen zur Abtreibung zwingen [9]

- Nur 2% der Priester sich hundertprozentig an das durch ihre Lehre vorgeschriebene Pflichtzolibat halten [10]

hat kein Recht, über die sexuelle Moral von irgendjemandem zu diskutieren, geschweige denn über die Lehre und Sexualmoral von Makaja, eines tantrischen Meisters, dessen Forschungen sogar auf den Weltkongressen der Sexologie (Paris 2001, Havanna 2003, Sydney 2007, Göteborg 2009, Glasgow 2011) bei namhaften Wissenschaftlern aus aller Welt Beachtung finden und dessen Liebeserotische Therapie von US-AID (United States Agency for International Development), der Mazedonischen Regierung sowie der Stadtver­waltung von Zagreb finanziell unterstützt wird. Solch eine Institution darf und muss zum Thema der Sexualethik und Moral - um Vergebung bitten [11] für das seelische und körperliche Leid von Zehntausenden von Kinderopfern, unzähligen Frauen- und Priesteropfern und von Wissenden dazulernen.

Und zur Weitergabe seines Wissens und seiner Erfahrungen ist Makaja offen und gerne bereit: "Wir bieten den katholischen Priestern Methoden an (im Einklang mit ihrem Glauben) (...), die ihnen helfen konnen, sexuell enthaltsam zu leben und die ihnen zeigen konnen, wie man die niedere, tierische, korperliche Natur mit der himmlischen, gottlichen Natur integrieren kann, so dass das Gottliche dominiert. Auf diese Weise kann der Priester erfolgreich sexuell enthaltsam leben, und nicht dass es geschieht, dass er Liebe macht mit den Frauen anderer Manner und gleichzeitig ein Padagoge fur sein Volk sein sollte. Wir bieten unsere Programme allen an." [12]

Zu Makajas Sexualethik und -lehre:

A.A. Makaja, Eros i logos ili Prosvijetljena Ljubav, Zagreb 2000

ders., "Neke osnovne znaeajke duhovno-filozofskog sistema Komaja" (Einige grundlegende Merkmale des geistig-philosophischen Systems Komaja), in: Eros i logos.

ders., Komaja - die geistige Liebes- und Lebenskunst, Zurich/Konstanz 1998.

www.love-erotictherapy.com

Intoleranz und Proselytismus

In ihrem Dokument "Dominus Iesus - Uber die Einzigartigkeit und die Heilsuniversalitat Jesu Christi und der Kirche" (September 2000) behauptet der Heilige Stuhl, es gabe nur eine einzige Kirche Christi. Dies wurde vor allem seitens der anglikanischen und evangelischen Kirche als ein grosser Ruckschritt in den okumenischen Bemuhungen der letzten zwei Jahrzehnte gewertet.

Dieser Absolutheitsanspruch hat in seiner primitivsten Auspragung die Konsequenz, Andersglaubende sprichwortlich zu "verteufeln". Ein konkretes Beispiel aus dem Erfahrungsbereich der Komaja: Nicht nur dass namhafte Priester der katholischen Kirche nachdrucklich versuchten, leitende Personen der Komaja-Gemeinschaft zum katholischen Glauben zu bekehren, sie bedienten sich dazu gar diffamierender Behauptungen wie z.B. dass Komaja nicht von Gott sondern vom Teufel sei. Solche Aussagen stehen im krassen Gegen-satz zu den Maximen des 2. Vatikanischen Konzils, in dem die katholische Kirche verkundete: "Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie (die Kirche) jene Handlungs- und Lebens-weisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber fur wahr halt und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet." Und: "Wir konnen aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die bruderliche Haltung verweigern." [13]

Fur ihre Offentlichkeitsarbeit bedient sich die internationale Komaja-Gemeinschaft gangiger PR-Kanale: Mit Inseraten, Flyern, Plakaten, Radio- und TV-Spots, Radio- und Fernsehauftritten sowie Vortragen wird Interessenten ermoglicht, das Schulungs- und Kurs-Angebot der Komaja kennen zu lernen. Befremdlich wirkt in diesem Zusammenhang, wenn ein ansassiger Priester seinen Kirchenmitgliedern befiehlt, Vortragsplakate der Komaja abzuhangen (wortlich: "das Plakat muss weg!"), welche sie vorher (auch aus eigenem Interesse) bereitwillig in ihren Schaufenstern aufgehangt haben. (So geschehen z.B. in CH-Gersau im Juni 2001.) Gleichzeitig aber wurden mehrere Jahreskirchenberichte 2001 auch in Komajas Postfacher geworfen. Gelten demokratische Spielregeln in der Schweiz nur fur die Mehrheit?


Zusammenarbeit

Im Hinblick auf solche bedauerlichen Geschehnisse ist die Zusammenarbeit mit einzelnen Vertretern der romisch-katholischen Kirche, so z.B. der Vortrag von Euer Hochwurden Vinko Pilia an der Internationalen Grossen Sommerschule der Komaja 2001, umso erfreulicher und lasst auf einen konstruktiven Dialog in der Zukunft hoffen.

Ebenso erfreulich war die Zusammenarbeit mit der Kirche St. Georg in Gottmadingen (Bodensee), welche uns für die Komaja-Neujahrsfeier 2004 ihren Saal im St-Georgs-Haus vermietete. Die Zurückhaltung des Bürgermeisters von Gottmadingen hingegen, der Probleme gerade mit derselben religiösen Obrigkeit befürchtete und uns aus diesem Grund keinen Raum zur Verfügung stellen wollte, lies sich nur schwer nachvollziehen. Trotz Säkularisierung übt die Kirche offensichtlich noch immer erhebliche Macht auf die staatlichen Institutionen aus …!!!


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[1] das Erzbistum von Zagreb, Split, Oberbosnien, Rijeka, Zadar - vertreten durch den erzbischoflichen Geistlichen Stuhl

[2] A.W.Richard Sipe, Sexualitat und Zölibat, Paderborn 1992, S. 74.

[3] Zitiert nach: Joachim Hohmann, Der Zolibat. Geschichte und Gegenwart eines umstrittenen Gesetzes. Mit einem Anhang wichtiger kirchlicher Quellentexte, Frankfurt 1993.

[5] Daten aus: taz Nr. 6708 vom 23.03.2002

[6] Das Recollectio-Haus ist eine Einrichtung der Abtei Munsterschwarzach (mitgetragen von 7 Diozesen (darunter Freiburg und Munchen) und ist eine Anlaufstelle fur Priester und Ordens-leute in verschiedenen, vor allem psychischen Krisensituationen.

[7] Angabe aus: Der Tagesspiegel, "Unheilige Hirten" vom 13.04.02.

[8] Der Heilige Stuhl hat nach Angaben verschiedener Nachrichtenagenturen (z.B. Reuters, 20.3.01) die Existenz eines Berichtes bestatigt, demnach einzelne Priester und Missionare Nonnen zu Sex und dabei auch manchmal zur Abtreibung zwingen. Solche Falle wurden in nahezu 23 Landern notiert. Am meisten Falle gab es in Afrika, aber es waren auch Lander wie die USA, Brasilien, die Philipinnen, Indien, Irland und Italien darunter.

[9] Vgl. Karin Jackel, Sag keinem, wer dein Vater ist! Das Schicksal von Priesterkindern. Zeugnisse, Berichte, Fragen. Munchen 1994

[10] gemass einer Langzeitstudie in den USA von Richard Sipe.

[11] Papst Johannes Paul II hat hierzu einen ersten Schritt getan, als er am ersten Fastensonntag 2000 um Vergebung fur die Verfehlungen der Kirche in der Geschichte gebeten hat.

[12] Interview HRT, Radio Zadar, 14. Mai 1999, veroffentlicht in: A.A. Makaja, Eros i logos. (Ubersetzung aus dem Kroatischen)

[13] Aus: Nostra aetate. Erklarung uber das Verhaltnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, verabschiedet am 2. Vatikanischen Konzil, 1963-1965 (28.10.1965).

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